15 Fragen an "Minimal Jazz" Komponist Wolfgang Oppelt

Aus Anlass der Veröffentlichung seines Klavier-Albums "Minimal Jazz - 10 piano pieces" hat sich Komponist Wolfgang Oppelt im Gespräch mit Verleger Michael Tischler entlocken lassen:

  • wer sein schärfster Kritiker ist ...
  • wie bei ihm alles begann ...
  • ob Musik "heilen" kann ...
  • was "gedachte" Klänge sind ...

... und wie es überhaupt zum Klavier-Album "Minimal Jazz" kam.

(was es mit dem Apfel im Bild auf sich hat, wurde nicht verraten ...)


Wolfgang Oppelt: Vielseitige Musiker-Persönlichkeit

Als Saxophonist, Musikpädagoge, Arrangeur und Komponist mit mehr als 40 Jahren Erfahrung kann man ihn zurecht als vielseitige Musiker-Persönlichkeit ansehen. Seine Erfahrungen reichen dabei über die verschiedensten Jazz, Blues und Rock Projekte.
Offenheit, Neugier und Freude treiben den Künstler an, ebenso das Interesse musikalische Grenzen zu überschreiten. Oppelts Credo lautet: Musik verstehbar und Töne fühlbar zu machen.


1. Wie sind Sie zur Musik und damit zum Komponieren gekommen? Gibt es bei Ihnen eine Art "Schlüssel-Erlebnis"?

Schon als Kind hatte ich immer Melodien im Kopf, die ich meistens nur "gedacht" habe, nie gesungen.
Ich wäre damals nie auf die Idee gekommen sie aufzuschreiben, die Melodien waren einfach da.
 

2. Gibt es prägende Musiker/Komponisten, die Ihr musikalisches Schaffen maßgeblich beeinflusst haben?

Da wäre als erster und fast einziger Johann Sebastian Bach zu nennen, den ich durch das Klavierspielen kennenlernte.
Später wurde ich auf John Cage aufmerksam und war ziemlich beeindruckt von seinem Mut zur Leere.
Beide passen ganz gut zusammen und ergänzen sich.
 

3. Wann haben Sie Ihr erstes Werk komponiert?

Von "Werk" kann man da nicht reden. Es war ein kleines Klavierstück, eine flüchtige Idee von Klang,
das ich einige Jahre später für Band bearbeitet und aufgenommen habe. Die Aufnahme ist leider verschollen.
 

4. Was macht für Sie den besonderen Reiz und die Faszination am Komponieren aus?

Es ist die Umsetzung der "gedachten" Klänge in die Wirklichkeit. Dabei gibt es manchmal Schwierigkeiten und es gelingt nicht immer aufs erste Mal die Klangvorstellungen in Noten umzusetzen.
Noten sind ja nur ein beschränktes Medium, wenn es um ausufernde Klangbilder geht, die im Kopf entstehen.
Aber es gibt fast immer ein Ergebnis, das aber anders klingen kann als ursprünglich gedacht.
 


„Minimal Jazz“ entfaltet einen schwebenden Raum, in der Gedanken
und Verstand zur Ruhe kommen und Herz und Seele sich öffnen.

„Minimal Jazz“ eignet sich für jeden spielbegeisterten Musiker,
auf der Suche nach neuen musikalischen Räumen.



5. Wie entstehen bei Ihnen Ihre Kompositionen? Haben Sie eine Melodie oder Harmonie im Kopf und
setzen diese sofort um oder ist es mehr "work in progress" sprich tägliches Handwerk?
Wieviel Arbeit steckt dahinter?

Es ist ein Prozess, eben "work in progress", der manchmal im Augenblick abläuft, manchmal Jahre dauern kann.
Die Gedanken fließen und entwickeln sich weiter. Irgendwann kommen sie ans Licht. Bei Klavierstücken, wie beim Album "Minimal Jazz" passiert dieser Vorgang im Augenblick, die Ausführung dauert dann vielleicht nur Minuten und es gibt eine Phase der Nachbearbeitung.
 

6. Gehen Sie dann auch manchmal mit sich selbst hart ins Gericht?

Ich bin mein schärfster Kritiker, unerbittlich, gnadenlos.
 

7. Was war Ihre bisher mutigste musikalische Entscheidung?

Nicht komponieren zu "müssen". Ich lasse das auf mich zukommen und mache es ohne Zwang. Freiheit ist das höchste Gut.
 

8. Was ist für Sie in der Musik am Wichtigsten?

Die vielfältigen und sich überlagernden klanglichen Schwingungen, die zu einem ausgewogenen und spannungsreichen Klang-Bild werden, das sich dann verflüchtigt und beim Hören einen psychischen Eindruck der Erleichterung, der Befreiung, der "Katharsis" hinterlässt.
Bach schrieb Musik zu "Gottes Ehre" und zur "Recreation des Gemüths". Besser kann man es nicht ausdrücken.
 


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9. Für wenn schreiben Sie Musik? Für sich, die Musiker oder das Publikum?

Wie sagt die Steffi von Michael Hatzius (3sat): "Ich mach' nichts für die Leute." Ich mache gerne was für Nachwuchsmusiker. Sie sollen Spaß an der Musik bekommen, spielerisch. Und ich mache gerne was für "Hobby-Musiker", die manchmal Zeit brauchen, bis sie geeignete Stücke für ihr Instrument finden und dann so manche Umwege gehen.
 

10. Würden Sie sagen, dass Musik heilen kann?

Das kommt darauf an, was geheilt werden soll. Ich denke zielgerichtet kann Musik nur sehr vorsichtig eingesetzt werden, wenn es um "Krankheiten" geht.
Der wichtige Moment ist das überraschende Klangerlebnis beim Hören. Wenn man diesen Augenblick zufällig miterlebt, passiert etwas im Gehirn, eine Art Bewusstseinserweiterung, die eine Veränderung des Verhaltens bewirken kann und damit eine Verbesserung des allgemeinen Befindens.
 

11. Hören Sie sich Ihre Musik selbst an?

Nicht wie ein "Hörer", ich höre dann nur die nicht gelungene Interpretation. Ab und zu höre ich mir eine kurze Passage an, die besonders schön klingt.
 

12. Wie enstand die Idee, bzw. was hat Sie inspiriert zum Album "Minimal Jazz"?

Philip Glass, einer der wichtigsten Vertreter der "Minimal Music", hat mich beeindruckt durch seine Komposition "Glassworks".
Der erste Titel daraus ist ein relativ einfaches Klavierstück, das bedingt durch die rhythmische Anordnung der "patterns", wieder gar nicht so einfach zu spielen ist.
Daraus entstand die Idee Klavierstücke zu schreiben, die relativ schnell und unkompliziert zu begreifen und zu spielen sind, aber trotzdem eine klangliche Qualität haben.
 


Jetzt live in "Minimal Jazz" reinhören ...



13. Wie kamen Sie auf den Titel "Minimal Jazz"?

Da ich mich lange Zeit mit dem Jazz theoretisch und praktisch beschäftigt habe, ist die Verbindung nur logisch.
Außerdem gibt es einige Kompositionen der "Minimal Music", die sich dem Instrumentarium, der Rhythmik und der Jazzharmonik angenähert haben.
Dazu gehört auch der Einsatz des Drumsets oder des Saxophons, eines der wichtigsten Instrumente im Jazz. Also war die Verbindung der beiden Bereiche fast organisch.
 

14. Was ist das besondere an "Minimal Jazz"?

Durch die Verwendung der Jazzharmonik bekommen die sich immer wiederholenden "patterns" eine Aura des Unendlichen.
Das Klangbild erweitert sich und erschafft einen überirdischen Raum von Freiheit, in dem man sich wohlfühlt.
 

15. Nun ist "Minimal Jazz" sehr gut angenommen worden - die 2.Auflage wurde bereits veröffentlicht.
Wo geht die Reise musikalisch für Sie hin? Worauf dürfen sich Musiker freuen?

Ich würde gerne einen Band für Soloinstrumente, wie Saxophon oder Violine machen.
Dann vielleicht einen Band für Soloinstrumente und Klavier.
Ein zweiter Band "Minimal Jazz Teil 2" wird eventuell auch folgen.

Vielen Dank für das Gespräch!


Wolfgang Oppelt
Minimal Jazz - 10 piano pieces

Klavier Solo leicht bis mittel ohne Vorzeichen
Spieldauer: 23 Minuten
36 Seiten, broschiert
ISMN: 9790502880262 / ndv 907011